Welche Aufgaben hat ein PTBS-Assistenzhund?

Ein Assistenzhund hat eine wichtige Aufgabe in seinem Leben. Die Unterstützung seinen Assistenznehmers. Je nach seinem Einsatzgebiet variieren diese Fertigkeiten, sind im Kern aber recht ähnlich, sie drehen sich um die zwei Punkte: Kommandos befolgen oder selbst Initiative zeigen.

Beim Befolgen von Kommandos erhält der Assistenzhund eine direkte Aufforderung vom Assistenznehmer. Dies kann zum Beispiel ein „Sitz“ oder „Platz“ sein aber auch ein Kommando sein, welches im speziell beigebracht wurde, um dem Assistenznehmer Hilfestellung zu geben, wie zum Beispiel „Licht an“, in diesem Fall würde der Assistenzhund den Lichtschalter bestätigen.

Ein Assistenzhund muss aber auch in der Lage seine Situation selbst einzuschätzen und entsprechend darauf zu reagieren. Wichtig ist dies vor allem bei gefährlichen Situationen, wie zum Beispiel beim Anzeigen von Unter- oder Überzuckerung (Diabeteswarnhund) oder aber dem Unterbrechen von Dissoziationen oder Albträumen (PTBS-Assistenzhund).

Ein Assistenzhund-Azubi wird bereits von klein auf an seine zukünftigen Aufgaben herangeführt. Dies geschieht auf spielerische Art und Weise, um den Hund durch intrinsische Motivation dazu zu bringen, in etwaigen Situationen korrekt zu handeln. Welche Aufgaben sind das aber überhaupt? Was sind die Hauptaufgaben eines Assistenzhundes?

Sicherheit verschaffen

Mein Assistenzhund ist ein riesiger schwarzer Hund. Wie soll es auch anderes sein, seine Mutti ist ein Labrador und sein Vati ist ein Germanischer Bärenhund. Somit kommt er momentan auf eine Schulterhöhe von ca. 75 cm und ein Gewicht von ca. 50 kg. Das ist sehr praktisch, wenn mir Menschen zu nahekommen, zum Beispiel in Gesprächen oder an der Supermarktkasse. Er schafft alleine durch sein Auftreten den Mitmenschen gegenüber einer natürlichen Distanz.

Genau dies benötige ich, weil mir Menschen manchmal Angst machen oder mich oftmals mit ihren Reizen überfordern. Eine unerwartete Berührung wie zum Beispiel ein Anrempeln sind für mich körperliche Angriffe. Dies zu unterbinden ist die Aufgabe meines Assistenzhundes.
Dies ist möglich durch das „Blocken“. Dabei stellt sich mein Assistenzhund entweder vor mich, hinter mich oder neben mich. Somit habe ich zwischen mir und fremden Menschen im Optimalfall einen Assistenzhund Abstand.

Weiter kann ein Assistenzhund dunkle Räume absuchen oder bei Hausecken vorangehen. Auch kann er mich auf von hinten kommenden Personen aufmerksam machen, um so zu verhindern, dass ich mich zu sehr erschrecke.

Symptome anzeigen

Das Gefährlichste an einer posttraumatischen Belastungsstörung sind sicherlich die Symptome wie Flashbacks, Albträume, Panikzustände, Krampfen, Hypervigilanz oder Dissoziationen. Es gilt anzumerken, dass nicht immer alle Betroffenen über die gleiche Anzahl oder Ausprägung an Symptome sprechen müssen.

Mit den Symptomen kann man oftmals als Betroffener nur schwer umgehen, da sie häufig nur in extrem stressigen Momenten auftreten. Was genau diese Problematik bei jedem Betroffenen auslöst, ist immer unterschiedlich, da es nach der Stärke und dem dazugehörigen Trauma richtet. So kann zum Beispiel bei mir schon die bestimmte Tonlage einer männlichen Stimme ein Flashback auslösen oder ich ohne, dass ich es vorab weiß ein Film oder eine Serie im Unterbewusstsein dafür sorgen, dass ich nachts Albträume habe.

Hunde sind sehr sensibel. Ein Assistenzhund ist nicht nur sensibel, sonders wurde auf die bestimmten Zustände seinen Assistenznehmers trainiert. Genauso wie ein Drogenspürhund zum Beispiel kleinste Mengen Kokain oder Marihuana erspüren kann, spürt ein Assistenzhund bereits vor dem eigentlichen Ausbruch eines Flashbacks oder einer Dissoziation körperliche Veränderungen und kann den Assistenznehmer warnen.

Assistenzhunde, können oftmals bereits Minuten vor den Symptomen die bereitgelegte Notfalltasche bringen. In diesem Moment ist der Assistenznehmer noch in der Lage, die selbst erlernten Skills in Anwendung zu bringen, um so einen Flashback oder eine Dissoziation zu verhindern.

Dies hat auch viel mit Sicherheit zu tun.

Kann ein Flashback oder eine Dissoziation nicht verhindert werden, kann es zu gefährlichen Situationen führen (dies muss aber immer im Kontext gesehen werden, dass der Betroffene selbst nicht mehr handeln kann), wie zum Beispiel dem Überqueren von Straßen oder dem Baden.
Auch ein Assistenzhund ist nicht immer in der Lage einen Flashback oder eine Dissoziation zu verhindern. Sie sind aber daraufhin ausgebildet, den Assistenznehmer so schnell als möglich aus dieser Situation zu erlösen. Sei es durch Lecken im Gesicht, durch Anspringen, leichtes Knabbern oder verbringen an einen ruhigen Ort.

Es gibt aber auch Momente, da hat der Hund sozusagen Pause und schläft, wir sprechen von den Nächten. Sich aus einem Zustand des Albtraumes selbst zu befreien ist schwierig bis fast unmöglich. Und wenn, stellt das aufwachen die nächste schwierige Situation dar. Das Schaffen von Orientierung im Raum und wenn nötig die Verbindung zur Realität.
Auch hier ist der Assistenzhund zur Stelle. Denn obwohl er eigentlich Pause hat, kommt er seinen Aufgaben nach. Er weckt seinen Assistenznehmer und macht, wenn antrainiert auch in diesen Situationen das Licht an, damit sich der Assistenznehmer sofort im Raum orientieren kann.

Tagesablauf gestalten

Verantwortungsbewusstsein, das steht ganz oben, wenn man sich einen PTBS-Assistenzhund anschaffen möchte. Denn eines ist ganz wichtig: Der Assistenzhund ist und bleibt ein Lebewesen, er hat seine Bedürfnisse und Rechte.
Er benötigt regelmäßig Futter und Wasser, möchte gefördert und gefordert werden, möchte seine tägliche Bewegung und Ruhe haben und benötigt seine medizinische Versorgung.Alle diese Punkte und noch einige andere Dinge müssen täglich gewährleistet sein, Diagnosen; Symptome hin und her.

Die Überlegung zur Anschaffung sollte daher gründlich überlegt werden und es sollten sämtliche Familienmitglieder mit einbezogen werden, auch wenn der Hund später fast nur auf ein Familienmitglied geprägt sein wird.

  1. Wer kümmert sich um den Hund, wenn ich es gerade nicht kann?
  2. Habe ich überhaupt die Zeit um mich um einen Hund zu kümmern? Man sollte bedenken, dass ein Assistenzhund nicht dazu gedacht ist alleine zu bleiben, sondern dazu den Menschen tagtäglich zu begleiten. Egal wohin und egal wann.
  3. Habe ich überhaupt die Mittel für einen Hund? Nicht nur reine Ausbildungskosten! Futter, Spielzeug, Leine, Tierarzt

Wenn man sich den Wunsch erfüllen kann, wird er einem viel zurückgeben.

Geregelter Tagesablauf (Fütterungszeiten, Gassi Zeiten und meist auch Schlafenszeiten sind gut geregelt)

Gerade bei psychischen Erkrankungen, vor allem wenn sie wie die PTBS meist chronisch sind, ist ein geregelter Tagesablauf wichtig. Auch der Punkt, dass man von jemandem Gebrauch wird, kann ein großer Motivations Faktor sein. Da ist jemand der einem blind vertraut und dem man selbst blind vertrauen kann, der einem zuhört und einen so nimmt wie man ist.Das sind Dinge, die den meisten Menschen, die unter einer PTBS leiden schon vor langer Zeit verloren gegangen sind oder viele nie besessen haben und es ist für viele ein schönes Gefühl.

Teilhabe ermöglichen

Eine tägliche Teilhabe verschafft einem der Assistenzhund schon durch seine Anwesenheit. Den schließlich bleibt einem ja nichts anders übrig, als mehrmals täglich mit ihm Gassi zu gehen und auch wenn man es sich selber oftmals wünscht, man trifft immer wieder auf fremde Menschen, die einen auch immer wieder ansprechen.

Tätigkeiten, die man für einen ohne Assistenzhund unmöglich oder undenkbar waren, sind wieder möglich. Gerade Menschen mit einer chronischen PTBS leiden unter ihrer Isolation. Ohne Begleitung zu Ärzten, zum Einkaufen oder sonstige tägliche Besorgungen zu erledigen ist fast unmöglich.

Teilhabe wird durch die Fähig- und Fertigkeiten eines Assistenzhundes ermöglicht, genau deshalb ist ein Hilfsmittel, er ist die Grundlage für ein lebenswertes erfülltes Lebens.